Entwicklung der Nord-Süd-Achse
 
Inhalt
"Der Weg durch die Schöllenen"
Sage über die Entstehung der Teufelsbrücke
Wahrscheinliche Entstehung der Brücke
Der Säumerverkehr und die wirtschaftliche Auswirkung
Entwicklung der Säumerrouten und deren Erbauung
"Die Weiterentwicklung der Gotthardroute"
Schlacht zwischen den Russen und den Franzosen
Fahrbarmachung der Gotthardstrasse
Aufkommen des Kutschenverkehrs
"Der Tunnelbau"
Bau der Axenstrasse durch K.E.Müller
Errichtung des Gotthardtunnels durch Louis Favre
"Der Autobahnbau"
Eröffnung des Autobahntunnels im Jahre 1980
Zeittafel

Der Weg durch die Schöllenen

Schon vor der Öffnung der Schöllenen konnte man über den Chrüzlipass, der nach Disentis führt, weiter über den Lukmanier die Alpen durchqueren .


Sage über die Entstehung der Teufelsbrücke

Es geht die Sage, dass die Urner immer wieder darüber rätselten, wie die Schöllenenschlucht zu überwinden sei, bis schliesslich ein Landamman ganz verzweifelt ausrief: "Soll doch der Teufel selber da eine Brücke bauen!" Kaum ausgesprochen, stand er schon vor der Urner Bevölkerung und sagte zu ihnen, er werde eine Brücke bauen, aber die erste Seele, die sie überschreitet, soll ihm gehören. Nachdem man auf diesen Handel eingegangen war, stand auch schon bald eine Brücke über der Schlucht. Doch die Urner wussten nicht, wen sie hinüberschicken sollten, bis ein Bauer eine geniale Idee hatte: er band seinen Geissbock los und jagte ihn auf die andere Seite. Rasend vor Wut, ergriff der Teufel einen Felsblock und drohte damit, sein Werk zu zerstören. Darauf kam ein altes Weiblein des Wegs und ritzte ein Kreuz in den Stein. Als der Teufel dies sah, verfehlte er sein Ziel, und der Fels landete in der Nähe von Göschenen. Seitdem nennt man diese Brücke die Teufelsbrücke.


Wahrscheinliche Entstehung der Brücke

Aber wahrscheinlich waren es die im Ursnertal ansässigen Walser etwa im 13. Jahrhundert, die zum ersten Mal eine Holzbrücke über die Schöllenen bauten. Um die Brücke stets zu erneuern, wurden die Wälder im oberen Reusstal abgeholzt, was der heutigen Waldknappheit beitrug. Im 16. Jahrhundert wurden dann alle Holzbrücken durch solche aus Stein ersetzt. Mit der Erschliessung der Schöllenen wurde die Marschzeit um 3 Stunden verringert und man stand am Beginn einer 600 Jahre dauernden Zeit des Saumwegverkehrs.


Der Säumerverkehr und die wirtschaftliche Auswirkung

Die Säumerroute entwickelte sich aus den bestehendenViehtriebwegen. Schon im 11.Jahrhundert existierte ein Transitweg. Die Säumer transportierten Ware von Süden, z.B. Reis, Wein, Tabak, Papier, Öle sowie im Winter Meerfische und von Norden Käse, Wolle, Seide, Häute und Felle. Als dann die Schöllenen passierbar gemacht wurde, entwickelten sich vier Säumergenossenschaften bis zur Passhöhe, welche die Rechte für den Gütertransport festlegten. Bei Susten, wo die Gebühren eingezogen wurden, fand eine "Kehrordnung" statt, d.h. die Ware wurde abgeladen und den Säumern der benachbarten Genossenschaft übergeben, welche sie durch ihr Bezirk weiterführten.

 
Entwicklung der Säumerrouten und deren Erbauung
Sowohl die Habsburger als auch die Urner finanzierten durch die Zölle, die anscheinend für den Unterhalt der Saumwege eingezogen wurden, ihren Haushalt. Die Urner exportierten v.a. Käse und vernachlässigten die Viehzucht und die Produktion von Grundnahrungsmitteln. Deswegen wurden sie krisenanfällig. Lief der Gotthardhandel normal ab, beschafften sie sich die Güter leicht vom Ausland. Stiegen aber die Preise aufgrund von Missernten an, kam es regelmässig zu Hungersnöten. Sie erbitteten Hilfe von ihren eidgenössischen Verbündeten in Luzern.


Die Weiterentwicklung der Gotthardroute

Doch die Schöllenen und der Chilchberg blieben trotz der Teufelsbrücke und der 70 Meter langen Twärrenbrücke das Nadelöhr der Gotthardroute. Die Holzbrücke um den Chilchberg wurde mehrmals von den Fluten der Reuss mitgerissen. Als sie 1707 wieder zerstört wurde, beschloss man, sie zum letzten Mal wieder zu errichten. Man beauftragte den Tessiner Festungsbaumeister Pietro Morettini mit dem Bau eines Tunnels. Ein Jahr darauf konnte dieser von den Säumern passiert werden. Er galt als der erste Tunnel im Alpenraum und betrug 64 Meter.


Schlacht zwischen Russen und Franzosen

Am 25.September des Jahres 1799 kam es zur Schlacht zwischen den Russen unter General Suworow und den Franzosen mit ihrem Anführer Napoleon in der Region der Teufelsbrücke, wobei diese schwer beschädigt und unbegehbar gemacht wurde. Zu Ehren General Suworows und den 700 Toten Russen steht heute neben der Schöllenen ein Denkmal. Das ausgeplünderte Uri lag nach dem Kriegsjahr in Elend. Der Transitweg über den Gotthard brach zusammen, da Uri nicht mehr in der Lage war, den Passweg neu zu erbauen. Die Säumer wichen auf die ohnehin billigen Bündnerpässe aus.


Fahrbahrmachung der Gotthardstrasse

Im 19.Jahrhundert diskutierten die Kantone Uri, Schwyz, Luzern und Tessin über die Fahrbarmachung der Gotthardstrasse. Aber Uri war wegen Fehlen von finanziellen Mitteln dagegen, bis schliesslich die Konkurrenz die Splügenstrasse baute. 1820 ging der Auftrag an den billigsten Bewerber, Cyrillo Jauch, der sein Projekt in 10 Jahren fertigstellte.


Aufkommen des Kutschenverkehrs

Durch den Ausbau der Fahrstrasse begann die Blütezeit der Kutschen. Drei mal wöchentlich verkehrte eine Postkutsche auch im Winter zwischen Flüelen und Chiasso. Eine Reise von Basel nach Mailand dauerte 50 Stunden und kostete 68.60 Fr., was etwa heute 12'000.- Fr. entspräche.


Bau der Axenstrasse durch Karl Emanuel Müller

1860 beauftragte der Nationalrat den Urner Ignenieur Karl Emanuel Müller mit dem Ausbau der Alpenstrasse und einer Landverbindung zwischen Brunnen und Flüelen, der Axenstrasse. Dieses Projekt wurde innerhalb von 4 Jahren, d.h. von 1862 bis 1865, erfolgreich beendet.


Der Tunnelbau

In der Mitte des 19.Jahrunderts tauchte dann bald die Frage einer Alpenbahnlinie auf. Alle Pässe wurden auf Steigung, Streckenlänge und Fahrzeit geprüft, und der Gotthard kam als eindeutiger Sieger hervor. 1871 wurde der Gotthardvertrag von den interessierten Staaten Italien, Deutschland und der Schweiz unterzeichnet. Erstmals wurden die Eisenbahnbrücken aus Eisen erbaut. Die Verantwortung für den Tunnelbau wurde Louis Favre aus Genf zugeteilt. Im Abkommen war vereinbart, dass die maximale Bauzeit nicht mehr als acht Jahre dauern dürfe, ansonsten würde er für die restlichen Unkosten haftbar gemacht werden. Dieses trat dann auch ein. Nach weniger als neun Jahren gelang der Durchbruch am 28.Ferbruar 1880 mit einer seitlichen Abweichung von 33cm. Die Sprengungen wurden mit Dynamit durchgeführt. Doch leider starb Louis Favre 233 Tage vor dem Durchstich an einem Herzschlag. Wegen der Zeitüberschreitung verarmte die ganze Familie. Von den 2480 Arbeitern, die beim Bau direkt beteiligt waren, stammte der grösste Teil aus Italien. Viele von ihnen erkrankten an den giftigen Dämpfen, die bei den Sprengungen freigesetzt wurden. 197 starben dann schliesslich. Im Juli 1875 forderten die Arbeiter einen Franken mehr Lohn, das war etwa ein Drittel mehr. Der Streik wurde dann aber von der Urner Miliz niedergeschlagen, indem sie ziellos in die Menge schoss.
Ab dem 1.Juni 1882 wurde der regelmässige Reise- und Güterverkehr Immensee-Chiasso aufgenommen.


Der Autobahnbau

In der 50er Jahren nahm der "Autoboom" in der Schweiz so stark zu, dass bereits 1960 eine halbe Million Automobile zu verzeichnen waren. Gleichzeitig gewann Italien an touristischer Bedeutung. Im Juni desselben Jahres trat dann auch das Nationalgesetz in Kraft, welches besagte, dass die Hauptfinanzierung der Lininenführung der Bund zugeschrieben bekäme, aber die Bau- und Unterhaltsarbeiten den jeweiligen Kantonen in die Hände gelegt werden.


Eröffnung des Autobahntunnels 1980

Mit dem Bau der N2 von Basel nach Chiasso wurde der Autobahntunnel innerhalb von 11 Jahren fertiggestellt und konnte am 5.September 1980 eröffnet werden.
Doch heute kann trotz des Baus des Tunnels der Transitverkehr über den Gotthard nicht einwandfrei bewältigt werden. Häufig kommt es zu Staus, v.a. zur Ferienzeit

Zeitttafel
11. Jh. Entwicklung der Säumerrouten
13. Jh. Erste Brücke über die Schöllenenschlucht
25. Sep. 1799 Schlacht zwischen den Russen und den Franzosen
1820 - 1830 Fahrbarmachung der Gotthardstrasse durch Cyrillo Jauch
1860 Auftrag des Nationalrates an K.E.Müller zur Erbauung der Axenstrasse und der Alpenstrasse
1862 - 1865 Projektdurchführung
1871 Unterzeichnung des Gotthardvertrages
28. Feb. 1880 Fertigstellung des Gotthardtunnels
5. Sep. 1980 Eröffnung des Autobahntunnels
© Marco Maffucci, 1999