Presseartikel vom 29. August 2000
20 Jahre Gotthard-Strassentunnel
Das 20 jährige Bestehen des Gotthardtunnels gibt einerseits Anlass zum Feiern, andererseits ist es eine Gelegenheit eine Standortbestimmung zu machen. Lässt man die letzten 20 Jahre "Verkehr am Gotthard" Revue passieren, muss man ohne Wenn und Aber festhalten, dass die gewachsene Verkehrsflut ohne Tunnel nicht mehr bewältigt werden könnte. Seit seiner Eröffnung am 5. September 1980, hat sich der Gotthardtunnel als positiver Teil in einer wichtigen Transitachse bewährt. Ein Bauwerk, das in der Nord-Südachse nicht mehr wegzudenken ist. Ein Tunnel auch, welcher eine ganzjährige Verbindung in unseren südlichen Nachbarkanton schafft – oder umgekehrt gesehen, eine Verbindung für den Kanton Tessin zum Rest der Schweiz.

Der stetig steigende Wunsch der Menschen nach Mobilität und somit auch der Anstieg des Individualverkehrs, lassen den Gotthardtunnel oft an die Grenzen seiner Kapazität kommen. Mit dieser obersten Auslastung steigt das Gefahrenpotential. Die Diskussionen nach einem heute angepassten Sicherheitsstandard im Strassentunnel, sind angebrachter denn je. Erhöhte Risiken und häufigere und längere Staus am Gotthard lassen den Ruf nach einer zweiten Röhre immer realistischer erscheinen. Als Zukunftsplanung betrachtet sind solche Ueberlegungen und Forderungen sicher berechtigt.
Als Beispiel sei hier der Walensee erwähnt (auch als Qualensee besungen), der nach dem Ausbau auf vier Spuren keine Negativschlagzeilen mehr machte. Auch am Seelisbergtunnel, durch den in den letzten 20 Jahren 11 Millionen Fahrzeuge mehr fuhren als durch den Gotthard, hatte man nie Stau. Die Lösung des Stau- und Sicherheitsproblems am Gotthard kann also nur ein zweite Röhre sein.
Das Gesetz, das durch die Alpeninitiative geschaffen wurde, verhindert heute den Bau einer zweiten Röhre am Gotthard. Ein "künstliches Hindernis", das dem Kanton Uri bisher wenig Positives gebracht hat.
Auch die von Bundesrat Leuenberger (SP) abgeschlossenen bilateralen Verträge, im Speziellen das Landverkehrsabkommen, das seltsamerweise von Seiten der Initianten der Alpeninitiative nicht kritisiert wurde, wird für den Kanton Uri gravierende Auswirkungen haben.
Betrachtet man die positiven Aspekte der Transitachse, so hat unser Kanton auch viel profitieren können. Der Tourismus kann von der schnellen und einfachen Erreichbarkeit unseres Kantons ihren Nutzen ziehen. Wirtschaftlich gesehen hat die Verkehrsachse und der Gotthardtunnel dem Kanton Uri zu einer ansehnlichen Zahl von Arbeitsplätzen verholfen. Faktoren, die für die positive Zukunft von Uri nicht von der Hand zu weisen sind.
Jede Entwicklung hat positive und negative Seiten. Fördern wir doch auch in Zukunft die positiven Aspekte, welche auch durch den Bau einer zweiten Gotthardröhre nicht geschmälert werden, und gehen wir die Probleme mit einer gesunden Weitsicht an.

29. August 2000

Markus Gisler, Landrat FDP