Beobachter
Sonntag, 30. Mai 1999, 11:51 Uhr

Auch Gotthardtunnel im Brandfall nicht katastrophensicher

von: Rene Sollberger

Brandlüftung hat Schwächen - Zugang für Retter durch Nebenstollen - Studie über Tunnelsicherheit in der Schweiz in Arbeit

Bern (AP) Die Brandkatastrophe im Tauerntunnel hat erneut das öffentliche Interesse auf die Sicherheit dieser Verkehrswege gelenkt. So ist auch der Straßentunnel durch den Gotthard im Brandfall nicht katastrophensicher. Retter könnten durch einen Nebenstollen wenigstens eher zur Unglücksstelle vordringen als im Montblanc- oder Tauerntunnel. Eine Studie im Auftrag des Schweizer Verkehrsministeriums (Uvek) soll nun Aufschluß über die Tunnel-Sicherheit in der Schweiz geben.

Nach Angaben des Sicherheitsbeauftragten für den Gotthard genügt die Brandlüftung in dem mit 17 Kilometern längsten Straßentunnel Europas, hat aber je nach Ereignis auch Schwächen. «Die gewünschte maximale Absaugleistung wird nicht in jedem Abschnitt gleich gut erreicht», sagte Walter Steiner am Samstag im Schweizer Radio DRS. Es würden jedoch laufend Sicherheitsmaßnahmen zur Risikominderung vorgenommen. So verfüge der Tunnel über SOS-Nischen mit direkter Verbindung zu den Zentralen und Feuerlöschern sowie über eine spezielle Verkehrssteuerung. Zudem stünden an beiden Portalen in Göschenen und Airolo ständig vier Mann der Feuerwehr bereit.

Ein wesentlicher Vorteil des Gotthardtunnels ist ein separater Stollen parallel zur Hauptröhre, durch den Rettungsleute im Notfall Zugang zu den eingeschlossenen Opfern hätten. Am meisten beschäftigt die Straßenbauexperten in der Schweiz nämlich die Tatsache, daß bei den beiden Tunnel-Katastrophen in diesem Jahr die Rettungsleute nicht in die Röhre vordringen konnten, wie der Sprecher des Bundesamtes für Umwelt (Buwal), Rolf Wespe, am Samstag erklärte. Sie waren wegen Rauch und Hitze sowohl beim Brand im französisch-italienischen Montblanc-Tunnel vom März als auch im Tauerntunnel in Österreich zunächst dazu verdammt, vor den Portalen zu warten. Der Rettungsstollen im Gotthard diente beim Bau des Tunnels als Nabelschnur zur Versorgung der Baustellen.

Experten des Bundesamtes für Umwelt und des Bundesamts für Straßenbau erarbeiten zur Zeit eine Studie zur Tunnel-Sicherheit, um aus den beiden jüngsten Tunnel-Katastrophen zu lernen, wie der Buwal-Sprecher weiter sagte. Der Auftrag des Verkehrsministeriums erfolgte bereits nach dem Brand im Montblanc-Tunnel, wo 42 Menschen den Tod fanden. Über den Zeitpunkt der Veröffentlichung konnte der Sprecher keine Angaben machen.