Presseartikel vom 14. August  2001
Aus Sicherheitsgründen braucht es die 2. Röhre am Gotthard

Seit  Wochen steht die Thematik der zweiten Gotthardröhre bei Befürwortern wie bei den Gegnern medienmässig stark im Rampenlicht. Dazu beigetragen haben sicher auch die beiden Unfälle der letzten Woche in Österreich, bei denen in einröhrigen Tunnels 8 Tote zu beklagen waren.

Beim ersten Unfall brach Feuer aus, eine Urlauberfamilie (5 Personen) konnte nicht mehr gerettet werden. Beim zweiten Unfall mit 3 Toten war ein Bus mit daran beteiligt. Die 45 Senioren der Reisegruppe mussten durch die Helfer über die Busfenster gerettet werden. Nicht auszudenken, was bei einem Brandausbruch passiert wäre.

Für den Bau der 2. Röhre ist es nicht entscheidend, ob 50 oder 100 Staustunden mehr zu verzeichnen sind, oder dass in den Agglomerationen von Zürich oder anderen Schweizer Städten viel stärkere Stundenfrequenzen zu verzeichnen sind als im Gotthardstrassentunnel. Der entscheidende Punkt ist, dass die Sicherheit im Gotthardstrassentunnel mit Gegenverkehr nicht gewährleistet ist und auch nicht gewährleistet werden kann. Da sind die Aussagen von Bundespräsident Moritz Leuenberger, dem Bundesamt für Verkehr, Ständerat Hansruedi Stadler, der CVP Uri und der Alpeninitiative höchst bedenklich, wenn gesagt wird, es brauche keine 2. Röhre am Gotthard. Mit solchen Aussagen tragen sie der Sicherheit der Benützer keine oder zuwenig Rechnung. Man muss als Befürworter für die Aufhebung der 28 Tonnenlimite endlich zur Kenntnis nehmen, dass durch die Zunahme der 40 Tonnen-Lastwagen auf der Nord-Süd-Achse das Gefahrenpotenzial für die Benützer des Gotthardstrassentunnels massiv zugenommen hat.

Der Gotthardstrassentunnel zählt zu der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung. Auf dem höchsten Kulminationspunkt dieser Verbindung haben wir einen 17 km langen künstlichen Engpass. In diesem einspurig geführten Strassentunnel hat der Automobilist keine Chance auszuweichen, wenn ein entgegenkommendes Fahrzeug die Fahrspur wechselt, da er im Tunnel "gefangen" ist, im Gegensatz zu einer offenen Strecke.

Es gilt zu handeln, bevor das Grossereignis eintritt. Der Bau der 2. Röhre inklusive Ausbau der Nordrampe kann innert 10 Jahren realisiert werden.

Der ADAC-Test vom letztem Jahr, mit dem Resultat "gut" für den Gotthardtunnel, ist erfreulich, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Unfall wie im Mont-Blanc- und Tauerntunnel (insgesamt 51 Tote) jederzeit auch im Gotthardstrassentunnel passieren kann.

Man kann mit gutem Gewissen für oder gegen den Verkehr sein, man darf aber nie gegen die Sicherheit sein.

Wer verantwortungsvoll handelt, sagt aus Sicherheitsgründen ja zur 2. Gotthardröhre.


Markus Gisler, Landrat FDP