Kolumne im "Urner Wochenblatt" vom 23. Februar  2002

PERSÖNLICH

Zweite Röhre

Meine Prognose zu einem Grossereignis im Gotthardstrassentunnel, vor dem ich seit Jahren gewarnt habe (vor den Unfällen im Montblanc und Tauern) ist leider Tatsache geworden. Zur geschehenen Katastrophe vom 24. 10. 2001, mit 11 Toten, kann ich nur mein tiefstes Bedauern aussprechen.

Heute ist der Tunnel wieder offen, und "dosiert" werden die LKW`s durch den Tunnel geschleust. Doch Die jetzige Situation mit dem Staumanagement kann und darf nicht für lange Zeit (Jahre) anhalten, da unser Kanton in vielerlei Hinsicht Schaden leidet.

Die Belastung der Luft durch die stehenden LKW`s mit laufendem Motor ist wesentlich grösser, als wenn sie fahren würden.

Im Sommer, wenn die Autobahn "verstopft" ist, werden viele PW-Fahrer versuchen auf der Kantonsstrasse Uri zu durchqueren, was zu katastrophalen Zuständen auf unseren Kantonsstrassen führen wird. Die einheimische Bevölkerung kann sich nicht mehr frei bewegen. Das Urner Oberland wird unter diesem Umstand einmal mehr stark zu leiden haben.

Will der Kanton Uri überleben, muss gehandelt werden. Es gilt wieder mutig in die Zukunft zu investieren. Ich hoffe, es gelingt uns analog den Urner Land- und Regierungsräten von 1963, die, im Gegensatz zu Bundesbern, bei der Planung der Autobahn eine Kriechspur von Amsteg bis Göschenen verlangt hatten. Die Anwort lautete damals, die Autobahn werde nie voll, und wenn, dann könne der LKW-Verkehr auf die Kantonsstrasse ausweichen. Nein, der Kanton Uri muss und soll nicht länger für die europäische Verkehrspolitik den Winkelried spielen.

Eine 2. Röhre bringt für den Kanton Uri wesentlich mehr Vorteile als Nachteile. Das beste Beispiel zeigt der Walensee, auch als Qualensee besungen. Jedes Wochenende gab es Staumeldungen. Nach dem Ausbau auf 4 Spuren überhaupt keine Probleme mehr. Das gleiche wird im Kanton Uri passieren. In Zukunft soll sich der Transitverkehr auf der Autobahn, die Einheimischen und Touristen auf der Kantonsstrasse bewegen können.

Die 2. Röhre darf es aber nur mit Tunnelgebühren geben. Ich bin sicher, dass die Verlagerung nur über den Preis erfolgen wird. Die Einnahmen in einem Jahr würden rund 500 Millionen Franken ergeben. Wenn auch nur ein kleiner Teil für den Kanton abfallen würde, wären wir auch unsere Finanzsorgen bald los. Ich bin sicher, dass dies auch eine der wenigen Möglichkeiten für Uri wäre, aus der Finanzmisere zu kommen.

Packen wir die Gelegenheit und machen wir den richtigen Schritt in die Zukunft. Uri braucht die 2. Röhre samt Ausbau der Nordrampe.

Markus Gisler, Attinghausen