Leserbrief vom 22. Juni 2002

Dosierungssystem und 2. Röhre

Vor gut 20 Jahren wurde im Kanton Uri die A2 und der Gotthard-Strassentunnel fertiggestellt. Nach damaliger Planung sollte die neue Strasse den Verkehr über Generationen hinweg "schlucken" können. Für den Fall, dass die A2 dann einmal überlastet wäre, könne man den Schwerverkehr über die Kantonsstrasse umleiten hiess es damals weiter. Ja, das war vor 40 Jahren! Bei besagter Verkehrsplanung wurden auch Strassenbreiten (Kriechspur), Strassenaufbau etc. miteinbezogen. Doch auch in diesem Bereich wurde im Kanton Uri nur das Minimum umgesetzt, was zur Folge hat, dass heute grosse Sanierungen oder gar Neubauten gemacht werden müssen.
Personen, die schon damals Visionen hatten und aufzuzeigen versuchten, dass es anders kommen würde, wurden eher belächelt. Ihre Warnungen wurden in den Wind geschlagen.
Der Gotthardtunnel war damals auf Grund der Verkehrsplanungen als zweiröhriger Tunnel geplant, wurde dann aber aus finanziellen Gründen nur einröhrig erstellt. Eine politische Fehlleistung, wie die heutige Situation am Gotthard zeigt. Können sich die gegenwärtigen Verkehrsplaner weitere Fehlleistungen erlauben? Heute, wo der Zenit der damaligen Planungen bei weitem überschritten ist, geht es nicht an, mit "Kosmetik" Korrekturen anzubringen. Nur einschneidende Massnahmen können zur Lösung des Verkehrschaos am Gotthard beitragen.
Der Entscheid, den Bundesbern vor 40 Jahren getroffen hat, einen einröhrigen Gotthardtunnel zu bauen – und dies wohlverstanden nur aus finanziellen Gründen und nicht aus Verkehrsplanerischen Überlegungen – muss nun endlich korrigiert werden.
Autobahnen haben getrennte Fahrspuren, weil nicht zuletzt dadurch das Unfallrisiko minimiert werden kann. Warum sollte ein solch einleuchtender Grundsatz nicht auch am Gotthard seine Berechtigung finden? Zudem wurden die Autobahnen zum Fahren gebaut und nicht um Stauräume einzurichten. Das Bestreben nach mehr Sicherheit ist ein Anliegen, dem nicht nur nur die Automobilhersteller, sondern auch die Strassenbauer nachkommen sollten, leisten doch die Automobilisten durch Zölle, Vignetten, Gebühren, Steuern etc. den wesentlichsten Anteil an die Strassenkosten.
Die Lösung heisst demzufolge: Die Dosierung der Transitlastwagen auf 3'500 Stück oder auch weniger muss an der Grenze erfolgen. Dies bedingt Nachverhandlungen durch den Bundesrat mit der EU. Die Dosierung in den Kantonen Uri und Tessin muss sofort aufgehoben werden. Was heute unter dem Deckmantel Sicherheit an Verkehrslenkung gemacht wird, ist schlichtweg eine Frechheit. Um die Sicherheit entscheidend zu erhöhen und den Begegnungsverkehr auszuschliessen braucht es die zweite Röhre inklusive Ausbau der Nordrampe.
"Man kann mit gutem Gewissen für oder gegen den Verkehr sein, man darf aber nie gegen die Sicherheit sein".

Markus Gisler, Attinghausen