In diesem Falle irren Sie, Herr Verkehrsminister

RAOUL STUDER

In einer dreiteiligen Serie im vergangenen Juni über den Bau einer zweiten Strassenröhre am Gotthard hatte die «Automobil Revue» in politischer, rechtlicher und bautechnischer Hinsicht die damit verbundene Problematik ausgeleuchtet.

AUS SICHERHEITSGRÜNDEN Dabei ist sie zum Schluss gekommen, dass ein derartiger Bau finanziell verkraftbar, technisch machbar und vor allem aus Sicherheitsgründen notwendig ist. Die Unfälle mit tragischem Ausgang im Montblanc- und im Tauerntunnel in Österreich hatten die Notwendigkeit genügend bewiesen.

Heute wird man in dieser Haltung bestärkt, wenn man sich an die schweren Verkehrsunfälle der vergangenen Woche im Gotthardtunnel erinnert. Nur glücklichen Umständen ist es zuzuschreiben, dass keine Todesopfer zu beklagen waren. Nicht auszudenken, wenn beispielsweise der völlig ausgebrannte Reisecar mit Personen voll besetzt gewesen wäre. Wer wollte dann die Verantwortung übernehmen?

Es ist nicht zu bestreiten, dass ein richtungsgetrennter Tunnel erheblich weniger Risiken birgt und auch punkto Energieverbrauch (Lüftung), Reparatur- und Sanierungsarbeiten gegenüber einem einröhrigen Tunnel weit vorteilhafter abschneidet.

Umso dringlicher sollte nun die Errichtung einer zweiten Röhre in die Hand genommen werden. Denn selbst im besten Fall wäre mit der Inbetriebnahme eines zweiten Strassentunnels nicht vor dem Jahr 2010 zu rechnen.

UNNÖTIG POLEMISCH In diesem Zusammenhang mutet es daher merkwürdig an, wenn der Verkehrsminister vergangene Woche via Medien kaltschnäuzig erklärte, der von gegen 100 Parlamentariern unterzeichnete Vorstoss zum Bau einer zweiten Röhre aus Sicherheitsgründen sei doch nur ein Vorwand, die Verkehrskapazitäten am Gotthard zu erhöhen. Damit spricht er sämtlichen Unterzeichnenden den guten Willen ab, aus Sicherheitsgründen für den Bau einzustehen.

Wer aber ohne stichhaltige Beweise so argumentiert, politisiert nicht sachbezogen, sondern polemisch. Das ist kein hilfreicher Beitrag. Und vor allem braucht sich Bundesrat Leuenberger dann nicht zu wundern, wenn ihm von der Gegenseite der Wind scharf ins Gesicht bläst. Denn letztlich ist auch mit bundesrätlicher Polemik nicht zu verhindern, dass eines Tages der zweite Gotthard-Strassentunnel Wirklichkeit wird.