Begründung der Interpellation vom 09.02.98

Frau Präsidentin

Meine Damen und Herren

Uri ist seit jeher auf Strassenverkehr und Tourismus angewiesen und wird es auch in Zukunft bleiben."

Ziel meiner Begründung ist:

1. Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer
2. Verkehrsverbindung sicherstellen
3. Wirtschaftliche Aspekte

Ich will sie Ihnen im Detail, meine Damen und Herren, nachfolgend gerne erläutern.

Von Basel bis Chiasso bestehen mindestens 2 getrennten Spuren. Die Ausnahme bildet da der ca. 17 km lange Gotthard-Strassentunnel, der im Gegenverkehr zu bewältigen ist.

Es ist noch eine Frage der Zeit, dass der Kanton Uri wegen der jährlichen Zunahme des PW- und Schwerverkehrs im Schritttempo durchfahren werden muss.

Anhand der Ergebnisse der bilateralen Verhandlungen wissen wir, dass ab 1999, also nächstes Jahr, ein zusätzliches Kontingent von 120'000 Lastwagen (alles 40 Tönner) diese Strecke befahren werden. Das heisst für uns Urner und auch für die Tessiner noch mehr Stau, Lärm und Gefahren. Kann unter diesen Umständen die Sicherheit für die Verkehrsbenützer im Gotthard-Strassentunnel überhaupt noch gewährleistet werden? Meine Einschätzung dazu erfahren Sie, meine Damen und Herren, zu einem späteren Zeitpunkt.

Durch die Öffnung der A2 für 40-t-Fahrzeuge wird eine Verlagerung vom Brenner zur A2 stattfinden, weil es die kürzeste und günstigste Strecke ist. Zusätzlich wird es wegen der ,"Sogwirkung kürzeste und günstigste Strecke" einen Teil des Schwerverkehrs von den französischen Alpenübergängen zum Gotthard hinziehen.

Von was für Zahlen müssen wir ausgehen?

 

D W V = Durchschnittlicher Werktagsverkehr Fahrzeuge / Tag

 

1989

1996

1998

Gotthard

2010

3590

4500

½ von Brenner

2100

2100

2100

¼ von Frankreich

1100

1100

1100

       
 

5210

6790

7700

(Die Zahlen von Brenner und Frankreich beruhen auf 1989)

 

Problem Gotthard-Strassentunnel

Unfallgefahren:

Jedes dieser 40-t-Fahrzeuge hat ca. 800 Liter Diesel im Tank. Die Länge der Fahrzeuge beträgt heute max. 18.35m, neu 18.75 m. Der italienische Senat hat aber bereits eine Länge von 19.20 m beschlossen.

Wohnmobile und Anhänger sind durch den Lastwagenverkehr sehr gefährdet. Wenn ein Lkw nach dem andern auf der Gegenfahrbahn mit 80 Stundenkilometern entgegenkommt, ist der Luftdruck sehr stark. In Anbetracht der seit 2 Jahren erlaubten Breite der Fahrzeuge von 2.50 / 2.60 m ist der Tunnel zu schmal. Der Luftdruck beim kreuzen ist enorm, besonders da diese heutigen Fahrzeuge fast alle Frontlenker sind.

Bei einem Unfall kann Diesel auslaufen und Feuer fangen, was unter Umständen zu einer Panik führt. Der Sauerstoff wird in wenigen Minuten verbrannt sein.

Die Bekämpfung eines Grossereignisses wie z.B. am 15. Mai 1996, als ein Sattelmotorfahrzeug in die Tunnelwand fuhr und beide Spuren blockierte oder der Carbrand vom 17. September 1997, zeigen die Gefahren auf. Die 47 Insassen konnten den Car unverletzt verlassen, der Tunnel musste für mehrere Stunden in beiden Richtungen gesperrt werden.

Leider gab es 1997 auch 2 Tote zu beklagen. Bei beiden Unfällen waren Schwerverkehrsfahrzeuge beteiligt, beim ersten ein Sattelmotorfahrzeug und ein PW, beim zweiten ein Sattelmotorfahrzeug, ein Lastwagen und ein PW. Bei beiden Unfällen starb der PW-Lenker. Ich meine, das sind zwei Tote zuviel. Wenn wir nicht sofort handeln, wird es noch viel mehr Tote geben.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Gotthard-Strassentunnel wegen einem Grossereignis (Brandfall, Unfall mit Lastwagen, der unerlaubterweise gefährliche Güter transportiert), für eine lange, sehr lange Zeit nicht passierbar ist. Im Sommer kann mit erheblichen Problemen für die Dorfbewohner der PW-Verkehr über die Pass-Strasse abgeleitet werden. Was aber während den 6 Monaten Winterzeit?

Die A2 am Gotthard ist eine Gebirgsautobahn wie die Brenner-Autobahn. Es gibt aber einen grossen Unterschied: Der Brenner ist mindestens durchgehend 4-spurig angelegt, der Gotthard ist im Bereich des Alpendurchstiches auf einer Länge von 17 km nur 2-spurig im Gegenverkehr zu befahren. Dessen Querschnitt entspricht etwa einer gewöhnlichen Überlandstrasse (allerdings ohne Bankette).

Zudem muss man wissen, wie sich die 47.5 km Autobahn auf Urner Grund und Boden im einzelnen ergeben.

 

11 Tunnel mit einer Länge von 18,1 km

13 Brücken mit einer Länge von 1 ,8 km

5 Galerien mit einer Länge von 2,1 km

Total 22,0 km Kunstbauten + offene Strecke von 25,5 km ergibt die 47,5 km.

Währenddem die meisten Brücken und Galerien in der Zwischenzeit saniert, resp. erneuert wurden, steht dies im Gotthard-Strassentunnel noch bevor.

Der Gotthard-Strassentunnel wird künstlich belüftet. Beim Bau wurde bei der Lüftungsberechnung ein Schwerverkehrsanteil von 160 LkW/h zugrunde gelegt. Damals wurde die CO-Produktion der Personenwagen als massgebend betrachtet. Heute stellt man fest, dass nicht die CO-Produktion, sondern die durch den Dieselrauch hervorgerufene Sichttrübung massgebend ist.

Ist der Gotthard-Strassentunnel überhaupt für 40 Tonnen Lastwagen mit den technischen Anlagen (Lüftung etc.) eingerichtet?

Fazit:

Die Kapazität der Lüftungsanlage des Gotthard-Strassentunnels reicht bei weitem nicht aus, um den zusätzlichen Verkehr aufzunehmen, der sich aus der Zulassung von 40-t-Fahrzeugen ergeben würde.

(Originaltext von Kantonsingenieur P. Püntener, Altdorf, 01.08.90)

Wenn Sie, meine Damen und Herren, bedenken, dass die Suva für jeden Betrieb i.S. Sicherheit Empfehlungen und Vorschriften herausgibt, ziehe ich mein Fazit:

 

Die Sicherheit der Verkehrsbenützer im Gotthard-Strassentunnel kann in Zukunft nicht mehr gewährleistet werden, wenn nichts unternommen wird!

 

Vergleich Seelisbergtunnel / Gotthardtunnel

1980 - 1997 Seelisbergtunnel Gotthardtunnel
Total Fahrzeuge 96`147`070 85`925`460
Unfälle 181 673
Tote 8 14

Wichtig zu wissen, dass 4 von den 8 Toten im Seelisbergtunnel bei Gegenverkehr (andere Röhre wegen Tunnelreinigung gesperrt) registriert werden mussten.

In 18 Jahren wurden bis dato in Sachen Verkehrsüberlastung im Seelisbergtunnel keine Staus registriert.

Falls jemand das Gegenteil betreffend Sicherheit sagt, möchte ich ganz klar wissen, namentlich wissen, wer die Verantwortung bei einem Grossereignis übernimmt, das vorprogrammiert ist.

Nachdem es das Parlament in Bern versäumt hat, dem Antrag von Ständerat Hans Danioth zuzustimmen, die gesetzlichen Grundlagen der Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene zu schaffen, wird speziell die Bevölkerung der Kantone Uri und Tessin die Leidtragende sein

Im Jahre 1980 wurde der Gotthard-Strassentunnel dem Verkehr übergeben. Er ist also seit 18 Jahren in Betrieb. Der Tunnel besteht nicht nur aus Beton und Stahl, nein, es ist ein Werk mit sehr vielen technischen Hilfsmitteln, damit der Betrieb überhaupt aufrecht erhalten werden kann

Das gesamte Werk, aber im speziellen die technischen Hilfsmittel, Fahrbahnbelag etc. müssen kurz- bis mittelfristig ersetzt und erneuert werden, damit die Funktion der A2 für den Verkehr gewährleistet werden kann. Verhält sich gleich wie bei Ihnen zu Hause, dass Kühlschrank, Kochherd, Abwaschmaschine etc. nach 15 bis 20 Jahren ersetzt werden müssen.

"Diese 2. Röhre wird bereits gefordert, um die Reparaturen und den Unterhalt der Ersten zu gewährleisten. Die Kunstbauten sind nicht für den Schwerverkehr geplant und gebaut".

Originaltext von Landrat Anton Stadelmann, (jetzt Regierungsrat) anlässlich der Begründung seiner Motion Verlegung des Transit-Schwerverkehrs von der Strasse auf die Schiene vom 11. Juni 1986.

Mit den jährlichen Schliessungen für die Reinigung von 2-3 Wochen während der Nacht (von 22.00 Uhr bis 05.00 Uhr) im Vorsommer und Herbst kann nur das allernotwendigste repariert und instandgesetzt werden. Während dieser Zeit wird der PW-Verkehr über die Pass-Strasse abgeleitet. Was passiert, wenn der Bundesrat auch in Sachen Nachtfahrverbot gegenüber der EU nachgibt? 40 Tönner-Lastwagen können und dürfen sicher nicht über den Pass abgeleitet werden.

Seit der Eröffnung, 05.09.80, nimmt der Verkehr jedes Jahr stark zu. Bis Ende 1997, also nach 17 ½ Jahren, durchfuhren 85'925'460 Fahrzeuge den Tunnel

 

 

Technische Vorschriften für Schwerverkehr

Ein ganz grosses Problem bilden die ausländischen Lastwagen (speziell aus dem Osten, z. B. Polen, Russen, Tschechen und Jugoslawien). Diese Lastwagen sind vielfach untermotorisiert und Umweltverpester im wahrsten Sinne. Die Schweiz kennt Vorschriften für die Motorisierung sowie der Abgasnormen, je Tonne 10 PS. Unsere Lastwagen haben aber zwischen 400 und 500 PS und fahren die Bergstrecke relativ flüssig, im Gegensatz zu den ausländischen Lastwagen. Diese Lastwagen (von den Westeuropäern vor 5-10 Jahren in den Osten verkauft) kriechen mit 30-40 Stundenkilometern ab Amsteg bis Mitte Gotthard-Strassentunnel und gefährden den übrigen Verkehr in schwerer Weise. Das sind auch die Fahrzeuge, welche unsere Luft und Umwelt in ganz schwerer Weise belasten. Die neuen Lastwagen mit der Nachverbrennung laufen so sauber wie ein PW mit Katalysator. Ein grosses Problem scheint mir in Zukunft die Sicherheit der Dorfbewohner von Amsteg zu sein. Bei dem sehr starken Gefälle von lntschi-Amsteg, bei Lastwagen mit 40 To, die technisch in einem schlechten Zustand sind (Bremsen defekt etc.). Als Beispiel passierte genau dies 1997 anlässlich einer Kontrolle. Einem ausländischen Car versagten die Bremsen, ein Polizist wurde verletzt, der Sachschaden belief sich auf Fr. 150000.--. Nicht auszudenken was passiert, wenn dies ein Lastwagen mit gefährlichen Gütern wäre.

 

Wirtschaftliche Aspekte

Der Strassenverkehr / Tourismus schafft in Uri viele Arbeitsplätze und Verdienstmöglichkeiten. Als Beispiel für viele sei nur die Gotthard-Raststätte erwähnt:

Ca. 150 Personen, im Sommer noch zusätzlich ca. 70 haben hier Ihren Verdienst. Wenn die Verkehrsachse Süd-Süd für längere Zeit unterbrochen ist, wird dies der Kanton Uri wirtschaftlich stark spüren.

 

Zusammenfassung

,,URI denkt positiv"

1. Die Verkehrssicherheit aller Benützer des Gotthardstrassentunnels mittel- und langfristig zu gewährleisten.

2. Die Sicherheit für Land und Volk von Uri in der Zukunft sicherstellen.

3. Die lebensnotwendige Verkehrsverbindung Urner Oberland, Urner Unterland über die Autobahn und / oder Kantonsstrasse sicherzustellen.

4. Die lebensnotwendige Verkehrsverbindung Uri-Tessin, Tessin-Uri für die Zukunft ganzjährig sicherzustellen.

 

Wenn der Regierungsrat in der Erarbeitung der Antwort auf meine Interpellation zum Schluss kommen sollte, dass die nötige grösstmögliche Sicherheit mit dem Bau der 2. Röhre erreicht werden kann, könnte ich dem nur zustimmen, wenn:

 

1. Die technischen Vorschriften (Motorisierung und Abgasnormen) für alle Schwerverkehrsfahrzeuge analog den Schweizer Vorschriften gelten, die den Tunnel befahren wollen.

2. Lärmschutzmassnahmen auf der ganzen Strecke der A2 in Uri realisiert werden.

3. Damit die Bundeskasse nicht belastet würde. Der Tunnel müsste privatisiert und der Bau und der Unterhalt mittels Tunnelgebühren finanziert werden.

Meine Damen und Herren, ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.