Bundesamt für Strassen ASTRA
A2 Zweite Röhre Gotthard

Die Betonproduktion im Fokus

13.05.2026

Ivo Bölsterli ist Baustellenchef der rückwärtigen Dienste auf der Gotthardbaustelle in Göschenen. Im Video zeigt er den Weg vom Materialausbruch über die Betonproduktion in der unterirdischen Betonkaverne bis hin zur Fertigung, Lagerung und zum Einbau der Tübbingringe im Tunnel. So wird deutlich, welche zentrale Rolle Betonproduktion, Logistik und Tübbingfertigung beim Bau der zweiten Gotthardröhre spielen.

Auf der Baustelle der zweiten Gotthardröhre in Göschenen laufen zahlreiche Prozesse im Hintergrund zusammen, damit der Tunnelbau präzise und effizient voranschreiten kann. Eine zentrale Rolle spielen dabei die rückwärtigen Dienste, die die gesamte Baustelle mit den benötigten Materialien versorgen und gleichzeitig die Entsorgung sicherstellen. Verantwortlich dafür ist Ivo Bölsterli, Baustellenchef der rückwärtigen Dienste im Norden.

Versorgung der Baustelle aus dem Berg heraus

Die Produktionsstätten auf dem Areal Eidgenössisch umfassen sowohl überirdische als auch unterirdische Anlagen. Die wichtigste Produktionsstätte befindet sich jedoch im Berg in einer grossen, zusätzlich ausgebrochenen Betonkaverne. Diese ist rund 148 Meter lang, 18 Meter breit und bis zu 16 Meter hoch. Mit einem Gesamtvolumen von rund 40'000 Kubikmetern bildet sie das Herzstück der Betonversorgung für die Baustelle in Göschenen.

Die unterirdische Produktion bringt mehrere Vorteile mit sich. Sie spart Platz an der Oberfläche, ermöglicht wetterunabhängige Abläufe und reduziert die Lärmbelastung für die Bevölkerung. Gleichzeitig trägt sie den besonderen Anforderungen des Standorts Rechnung: Das Areal liegt in einer Zone, die früher von Lawinen betroffen war. Deshalb wurde festgelegt, dass die wichtigsten Produktionsstätten im Berg untergebracht werden, wo sie besser geschützt sind.

Vom Ausbruchmaterial zum Beton

Ein wesentlicher Bestandteil des Systems ist die Wiederverwertung des Ausbruchmaterials. Das Material von beiden Baustellen wird nach Stalvedro auf der Südseite des Gotthards transportiert und anschliessend per Bahn wieder zurück nach Göschenen gebracht. Dort wird es von den Bahnwägen in eine Kippgosse entladen und über Förderbänder durch einen Förderbandstollen direkt ins Silo der Betonanlage im Berg transportiert.

Der produzierte Beton wird für zahlreiche Anwendungen auf der Baustelle benötigt. Neben der Tübbingproduktion kommt er auch beim Einbau des Innengewölbes, bei der Ausbruchssicherung im Sprengvortrieb, für Werkleitungskanal-Elemente, für Zwischendecken, Bankette und für Lüftungszentralen im Berg zum Einsatz. Zu Spitzenzeiten werden rund 5'000 Kubikmeter Beton pro Woche hergestellt. Das entspricht etwa 500 bis 600 Lastwagenfahrten.

Tübbinge: zentrale Elemente im Tunnelbau

Ein grosser Einsatzbereich des Betons ist die Verwendung für die Herstellung der Tübbinge. Tübbinge sind Betonelemente, die auf der Tunnelbohrmaschine eingebaut werden, um den Tunnel dauerhaft zu sichern. Ein Ring besteht aus sechs Tübbing-Elementen und ist zwei Meter lang.

Die Produktion dieser Elemente erfolgt ebenfalls unterirdisch. Der Herstellungsprozess beginnt mit der Bewehrung. Diese wird in die gereinigte Schalung eingelegt, bevor die Schalung mit Beton gefüllt wird. Anschliessend wird die Oberfläche bearbeitet – teils mit einem Glättroboter, teils von Hand. Danach kommen die Tübbinge in einen Wärmekanal, in dem sie rund acht Stunden aushärten.

Im nächsten Schritt werden die Elemente ausgeschalt und mit einem Vakuumgreifer weitertransportiert. Danach reifen sie für weitere 24 Stunden in einem Zelt nach. Erst dann gelangen sie ins überirdische Tübbinglager. Dort ist Platz für rund 560 Tübbingringe, also für mehr als 3000 einzelne Elemente. Von diesem Lager aus werden die Tübbinge mit der Vakuumzange aufgeladen, auf speziell konstruierte Fahrzeuge verfrachtet und anschliessend zum finalen Einbau in den Berg transportiert.